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Studienbegleitung – Erfahrungsberichte

Spirituelle Tage im Kloster Hegne

Nutze die spirituellen Tage und bekomme einen Einblick in das Klosterleben, das dachte ich mir und informierte mich über das Kloster in Hegne am Bodensee. Es war total einfach. Schwester Maria-Magdalena,  die zu diesem Zeitpunkt für das „Kloster auf Zeit“ zuständig war, machte mit mir einen Termin aus und schon war ich einen Monat später in Hegne.  Es war eine super tolle Erfahrung, die ich immer wieder nutzen würde, gerade um ein bisschen zur Ruhe zukommen.

Ich wohnte mit drei Schwestern im Haus Franziskus, direkt neben dem Kloster. Morgens um 7:00 Uhr starteten wir in den Tag mit einem Laudes (Morgengebet) in der Klosterkirche. Anschließend frühstückten wir gemeinsam und ich arbeitete vormittags in der Wäscherei. Den Nachmittag hatte ich zur freien Verfügung, die ich für Spaziergänge nutzte. Abends trafen wir uns wieder für das Vesper (Abendgebet) und ließen gemeinsam mit Abendessen, tollen Gesprächen und einem kleinen Tagesrückblick den Tag ausklingen.

Es war eine super Zeit für mich im Kloster, ich konnte nicht nur zur Ruhe kommen und den ganzen Alltagsstress einfach mal fallen lassen, sondern auch wieder Kraft schöpfen, für neue Herausforderungen, die anschließend auf mich warteten. Ich kann es jemand nur empfehlen. Nutzt eure spirituellen Tage und macht die Erfahrung, wie das Leben im Kloster sein kann.

– Christina

Kirchenpraktisches Engagement im Gefängnis
(JVA Bruchsal)

(…) Meine Zeit im Gefängnis war eine neue, interessante, extreme, sehr spannende und eindrucksvolle Erfahrung, die man sonst nicht einfach so machen kann. Zu Erleben gab es viele neue und anspruchsvolle Dinge, welche mich auch noch einige Zeit danach beschäftigt haben und woraus ich viele neue Schlüsse und Erkenntnisse ziehen konnte. Dies hat auch einen großen Teil zur Weiterentwicklung meiner eigenen Persönlichkeit beigetragen, so dass ich an mir selbst arbeiten musste und über mich selbst hinaus wachsen konnte.

Die Gefangenen teilten mit, wenn sie ein Gespräch mit einem Seelsorger möchten. Daraufhin habe ich den Seelsorger in die Zelle des Gefangenen begleitet. Hier führten wir mit dem Gefangenen ein Gespräch über sein Anliegen, so dass ich auch vieles über die verschiedenen Persönlichkeiten der Insassen und deren Vielfalt erfahren konnte. Einem Menschen gegenüber zu treten und sich voll diesem zu widmen und ohne Vorurteile auf dessen Bedürfnisse einzugehen, ist nicht wirklich einfach, wenn man weiß was für Taten dieser schon begangen hat. Hier habe ich gelernt, die Person nie über die Tat zu identifizieren, sondern diese als Person mit Rechten, Bedürfnissen und Wünschen zu sehen. Anfangs fiel es mir schwer ohne Vorbehalte auf diese Leute zuzugehen, jedoch fiel mir der Umgang schnell leichter. So habe ich mich verschiedenen Personen offen gegenüber gestellt und Dinge hinterfragt ohne diese vorher zu verurteilen. Hinsichtlich der Geschichten, Schicksale und Persönlichkeiten sind die Gefangenen völlig unterschiedlich mit vielen verschiedenen Zukunftsperspektiven, was ich zuvor nicht so extrem erwartet hätte. (…)

Besonders einprägsam war für mich der Gottesdienst mit dem Thema „Vergebung“. Noch nie zuvor, in keiner anderen Kirche, habe ich einen Gottesdienst als so intensiv und passend empfunden. Bei einigen konnte man sehr gut sehen, dass hier wohl ein Gedankenprozess hin zur Reue und das Begreifen der Vergebung Gottes stattfindet, was auch in der Atmosphäre des Gottesdienstes greifbar war. Ich habe den enormen Stellenwert der Kirche, einer Religion und eines Seelsorgers an diesem Tag sehr stark wahrgenommen. Dieser Gottesdienst war sehr intensiv und somit ein sehr emotionaler Moment meiner Zeit im Gefängnis.

Die Bedeutung und Kraft einer Kirche habe ich durch das Praktikum in der JVA neu erfahren. Diese trägt gerade in dieser Institution viel dazu bei den richtigen Weg einzuschlagen, mit der Situation zu Recht zu kommen. Also Dinge zu begreifen und an sich selbst zu arbeiten, dafür kann die Kirche einen großen Beitrag haben. Speziell im Gefängnis nimmt die Kirche nochmal eine ganz neue Rolle ein, da der Gottesdienst gerade an solchen Punkte ansetzt, die es für die Gefangenen braucht, um diese zur Reflexion und Veränderung ihres Lebens zu bewegen.

Jedoch ist die Kirche gleichzeitig ein Zufluchtsort, an dem sie Zuspruch finden und gerade im Gefängnis ist dies oft auch der einzige Ort. (…)

Dieses kirchenpraktische Engagement war sehr interessant. Ich habe sowohl menschlich, als auch theologisch viel Neues gelernt und konnte dabei selbst über mich hinauswachsen. Dies würde ich jeder Zeit gerne mal wieder machen, um weitere Erfahrungen zu sammeln. Ich bin sehr froh, die Gelegenheit dazu gehabt und diese wahrgenommen zu haben.

– S.H.